Raiffeisenbank Bad Schussenried steigert das Betriebsergebnis trotz Corona und Modernisierung der Hauptstelle

Die Raiffeisenbank Bad Schussenried eG hat sich im Geschäftsjahr 2020 trotz der herausfordernden Umstände durch die Folgen der Corona - Pandemie und der anhaltenden Niedrigzinsphase gut behauptet. Die Bilanzsumme erhöhte sich weiter überdurchschnittlich gut mit einem Zuwachs von 6,41 % auf 218 Millionen Euro. Durch die lebhafte Bautätigkeit in der Region verzeichnete auch das Kundenkreditgeschäft, besonders im Fördermittelbereich, mit einer Steigerung von 11,69 % eine positive Entwicklung, gibt Vorstand Bruno Boos bekannt. Bei der Vermittlung von zinsgünstigen öffentlichen Fördermitteln an die Kunden war die Raiffeisenbank Bad Schussenried bereits im Vorjahr spitze und wurde erneut als beste Fördermittelbank ausgezeichnet, ergänzt Vorstand Reinhold Rehm.  

Bei den Kundeneinlagen konnte vor allem bei Anlageformen im Verbund, mit denen die Kunden bessere Renditen erzielen, ein Wachstum von 28,58 % erzielt werden. Das betreute Kundenvolumen stieg um 4,91 % von 373,5 Millionen auf 391,8 Millionen Euro.

Trotz der Krise konnte die Raiffeisenbank Bad Schussenried als eine der wenigen Genossenschaftsbanken das Betriebsergebnis dank vorsichtiger Risikopolitik und striktem Kostenmanagement steigern. Auch der Provisionsüberschuss verzeichnet ein Wachstum von 15,93 %.

„Unsere Risikostreuung ist sensibel ausgerichtet. Ganz im Sinne einer Genossenschaft ist unser Risikoappetit lediglich angemessen. Wir bewegen uns auf Märkten, die wir kennen und einschätzen können“, sagt Vorstandsmitglied Reinhold Rehm.

Neben guten Bilanz- und Ertragszahlen ist der Raiffeisenbank auch soziales Engagement wichtig. Mit den 26.942 Euro aus dem Fördertopf des VR-GewinnSparen konnten wieder viele Anschaffungen und Wünsche der Vereine in der Region verwirklicht werden, informiert Vorstandsmitglied Bruno Boos.

Müssen Genossenschaftsbanken 5 Milliarden groß sein, wie in einem Pressebericht vor Kurzem nachzulesen war?

 

Vorstand Reinhold Rehm:

Aus heutiger Sicht sehen wir das nicht. Die aktuellen Zahlenvergleiche lassen diese Erkenntnis auch nicht zwingend zu. Natürlich muss jeder seine eigene Meinung bilden, aber sind es nicht die ganz großen Banken, die Verluste schreiben? Kleine Banken, wie wir, haben es schwerer, das ist richtig. Daher streben wir in Zukunft ebenfalls eine Fusion an. Im Bereich der mittleren Größenordnungen, wie wir diese anstreben, werden aus unserer Sicht die besseren Ergebnisse erreicht werden können.

 

Mit einer Verschmelzung mit einer größeren Bank würden Sie Ihre Identität verlieren?

 

Vorstand Bruno Boos:

Es ist richtig, dass wir bei einer Verschmelzung mit einer großen Bank unsere Identität verlieren. Damit würden in unserem Fall 129 Jahre Firmengeschichte verloren gehen. Wir wären dann nur noch eine Geschäftsstelle, im Zweifel eine kleine Geschäftsstelle, weit weg von der Zentrale, die dann über die weitere Geschichte unserer Genossenschaft entscheiden wird. Wenn wir alle gemeinsam das wollen, ist das der richtige Weg. Wir stellen aber fest, dass unsere Mitglieder das eben nicht wollen. Sie wollen eine regionale Bank, die nicht fremdgesteuert ist. Und unsere Mitglieder wollen das in fast 130 Jahren erwirtschaftete Kapital auch nicht aus der Raumschaft geben. Mit einer überregionalen Fusion wäre unser Kapital weit weg, eben dort, wo die große Bank ihren Sitz hat. Wenn wir das Kapital hier in der Raumschaft lassen, kann es auch hier für die Raumschaft eingesetzt werden. Am besten in der Form einer regionalen Raiffeisenbank, die sich hier für die Bedürfnisse der Mitglieder und Kunden vor Ort einsetzt.

 

Aber stellt die andauernde Niedrigzinspolitik Ihr Geschäftsmodell nicht in Frage?

 

Vorstand Reinhold Rehm:

Ja, doch nicht nur die andauernde Niedrigzinspolitik, auch die überbordende Bürokratie stellt unser Geschäftsmodell in Frage. Doch wenn das traditionelle Banking in der kleinen Bank nicht mehr zukunftsfähig ist, warum soll es dann in der großen Bank zukunftsfähig sein? Wichtig ist doch, dass wir unser Geschäftsmodell verändern und anpassen. So wie wir das getan haben und auch noch weiter tun werden. Wir haben z.B. ein deutlich überdurchschnittliches Engagement in Immobilien, mit dem wir gute Renditen erzielen. Und wir werden dieses Engagement auch noch weiter ausbauen. Wir haben auch in unserer Nachhaltigkeit gute Fortschritte gemacht. Derzeit planen wir z.B. ein Carsharing Modell für unser Geschäftsgebiet. Damit fördern wir direkt unsere Mitglieder und Kunden, hier vor Ort. Der Digitalisierung haben wir uns ebenfalls erfolgreich gestellt. Sie konnten dies zuletzt in unserer virtuell durchgeführten Generalversammlung erkennen. Ja, Genossenschaftsbanken brauchen eine Mindestgröße, das sehen wir auch so und erkennen, dass auch wir weiterwachsen müssen.

In den vergangenen Jahren haben wir uns in allen Bereichen aktuell aufgestellt, teils auch mit Entscheidungen, die nicht alle gerne akzeptiert haben. Doch an unserem Geschäftsergebnis in diesen schwierigen Zeiten kann man erkennen, dass wir fit und proper der Zukunft entgegen gehen können. Wenn unsere Mitglieder und Kunden uns weiterhin ihr Vertrauen schenken, werden wir auch weiterhin erfolgreich sein können.

 

März 2021